Betroffene können die Probleme im mathematischen Bereich
derart internalisieren, dass sich Psychoneurotiken entwickeln.
Begleitstörungen (Komorbidität) entwickeln sich langsam. Sie
können einen oder auch mehrere der folgenden Bereiche betreffen:
Psychosomatische Symptome (Kopf- und
Bauchschmerzen , Übelkeitsgefühle und Erbrechen im Zusammenhang
mit Schulleistungsanforderungen), Störungen des
Sozialverhaltens (Aggressivität, Kontaktstörungen,
dissoziale Verhaltensauffällig-keiten wie Lügen und Stehlen),
Entwicklungsstörungen (Aktivitäts- und
Aufmerk-samkeitsstörungen; Anpassungsstörungen (Angst/
Depression).
In Folge kann sich eine generelle Schulangst entwickeln. In der
Regel finden sich solche Begleitstörungen im Verlauf der
späteren Grundschuljahre und sind im Zusammenhang mit schulischen Anforderungen verstärkt zu beobachten. An
Wochenenden oder in der Freizeit sind sie geringer ausgeprägt
bzw. überhaupt nicht beobachtbar.
So können sich aus den Verstehenslücken im Rechnen letztlich psychosomatische Effekte entwickeln, die im Extremfall der psychotherapeutischen oder auch psychia-trischen Behandlung bedürfen. Die Entstehung von Begleitstörungen ist von verschiedenen Faktoren abhängig.
Intraindividuelle Auseinandersetzung
Betroffene Kinder verstehen nicht, warum gerade sie das Rechnen nicht ebenso leicht erlernen wie ihre Klassenkameraden. Haben sie zudem einen hohen Leistungsanspruch an sich, dem sie im Rechnen nicht gerecht werden können, sind sie in besonderem Maße gefährdet. Erklärungsversuche, Selbstzweifel, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle, Angst, sinkendes Selbstwertgefühl können zu komplexeren Störungen führen.
Schulisches Umfeld
Kinder, die häufiger im Rechnen versagen, bleiben von ihren Klassenkameraden nicht verschont. Durch Bemerkungen, die genau ihre Schwächen treffen, werden ihre Selbstzweifel verstärkt. Im Unterricht erzielen sie mit Kompensationsstrategien noch lange Zeit unauffällige Zensuren und bleiben im Klassenverband unbemerkt. Erst wenn sie durch Leistungs- oder Verhaltensprobleme auffällig werden, können Lehrer/innen adäquat reagieren. Bis dahin können z.B. beliebte, aber unbedacht eingesetzte Rechenspiele, geradezu negativ verstärkend wirken, weil sie zudem die Kinder vor ihren Klassenkameraden bloßstellen.
Hausaufgabensituation
Bei der Anfertigung ihrer Hausaufgaben sind sie ständig auf strukturierende Hilfe angewiesen. Das Gefühl, dass Mathematik etwas ist, was nur mit Hilfestellungen bewältigen werden kann, wird täglich bestätigt. Dadurch entsteht eine Abhängigkeit von der Person, die diese Hausaufgabenhilfe leistet. Die Erfahrung, sich der Mathematik anders als durch ein schematisches Reproduzieren von Ergebnissen zu nähern, wird so verhindert.
Umwelt/Gleichaltrige
Rechnerische Anforderungen im Alltagsleben wie: Taschengeld verwalten, Uhrzeiten und Fahrpläne ablesen, Messen, Schätzen, Basteln u. a. sind immer wieder Situationen in denen die Kinder ihre Schwäche im rechnerischen Denken erneut bestätigt bekommen. Probleme im sozialen Alltag korrespondieren und wirken negativ verstärkend auf die Ausdifferenzierung von Begleitstörungen.